Der Hamburger Jungfernstieg

Es ist noch gar nicht so lange her – nur etwa 100 Jahre – da war der Hamburger Jungfernstieg noch ein echter Prachtboulevard, Vorzeigemeile der Hansestadt. Seitdem ist viel passiert. Doch trotz aller, vielleicht nicht immer nur positiver Veränderungen, ist der Jungfernstieg immer noch etwas ganz besonderes. Dazu trägt nicht nur die ideale Lage am Alsterufer bei. Für die Hamburger spielt hier vor allem die historische Bedeutung der Flaniermeile eine wesentliche Rolle. So gibt es den Jungfernstieg schon seit 1235; da hieß er noch Reesedamm, benannt nach dem Müller Reese, der dort seine Mühle betrieb. Weil die hübschen Hanseatinnen so gerne an der Alster flanierten, nannte man die Promenade schon ab 1648 offiziell Jungfernstieg. Als besonderes gesellschaftliches Glanzstück erwies sich dann ab 1799 der Alsterpavillon. Von Anfang an als beliebter Treffpunkt für Prominente und Neugierige musste das Gebäude im Laufe der Jahre jedoch immer wieder aufwändige Umbauten über sich ergehen lassen. Je nach Zeitgeschmack mal karg, mal opulent. Inzwischen hat das Bauwerk insgesamt sechs Umbauten überstanden, wovon die letzte Sanierung in den neunziger Jahren allein sechs Millionen Mark verschlang. Die Mühe schien sich stets gelohnt zu haben. Immerhin zählten zu den berühmtesten Besuchern immer auch zahlreiche Prominente wie der Dichter Heine oder der Teufelsgeiger Paganini.

 

» Weitere Informationen
Prof. Dr. Hermann Hipp „Geschichte des Jungfernstiegs“ (PDF, 1MB)

 

Der Jungfernstieg während des U4-Baus

Mit Eröffnung des neu gestalteten Jungfernstiegs im Mai 2006 war die vorrangige Aufgabe des „Lebendigen Jungfernstieg e.V.“, nämlich die wasserseitige Neugestaltung zu koordinieren und dafür Spenden zu sammeln, abgeschlossen. Danach führte Friederike Beyer den Verein als Vorsitzende erfolgreich durch schwieriges Fahrwasser, denn während der Bauarbeiten für die U-Bahnlinie 4 in die HafenCity waren weder Kunst noch Kultur auf dem wasserseitigen Jungfernstieg möglich. Darin bestand nun der eigentliche Vereinszweck. Bauzäune präsentierten in dieser Zeit informative Ausstellungen, und ein provisorischer Bootsteg für die Alsterschiffe in der Binnenalster eröffnete eine völlig neue Perspektive auf die Stadt.
Doch bei allem Improvisationsgeschick der Hamburger Hochbahn war die Freude groß, als dieser einzigartige Ort nach vierjähriger Bauzeit im Frühjahr 2012 wieder uneingeschränkt für die Öffentlichkeit nutzbar wurde – noch dazu mit Gleisanschluss in die HafenCity. Mit der Wiedereröffnung übernahm der Verein die ihm zugedachte Rolle: Die künstlerische und kulturelle Bespielung des Jungfernstieg.

 

 

Die Renaissance des Jungfernstiegs

Renaissance-01Die Neugestaltung des Jungfernstieg in Hamburg wurde von der Stiftung „Lebendige Stadt e.V.“ initiiert und gefördert. Die Stiftung lobte für die Neugestaltung einen bundesweiten Architektenwettbewerb aus. Das Siegerkonzept der Neugestaltung stammt von dem Hamburger Team WES + Partner (Landschaftsarchitekten) und André Poitiers (Architekt). Mit der Spendenzusage von Professor Dr. h.c. Werner Otto und seinem Sohn Alexander von über fünf Millionen Euro fiel der symbolische Startschuss für den Beginn der Umbaumaßnahmen. „Wir haben viele Städte in der Welt kennen gelernt. Kaum eine andere Stadt hat eine so einmalige Chance und auch die Kraft, eine völlig neue Qualität in die Stadtmitte zu bringen.“, meint Alexander Otto.

Renaissance-02

BDA-Architekturpreis für die Neugestaltung des Jungfernstiegs.

Um die Umsetzung des Entwurfs nicht allein aus Mitteln des öffentlichen Haushalts zu finanzieren, wurde auf Initiative der Stiftung „Lebendige Stadt“ und der Freien und Hansestadt Hamburg am 22. Juli 2002 der Förderverein „Lebendiger Jungfernstieg e.V.“ gegründet. Der Verein war Bauherr der wasserseitigen Umbaumaßnahmen, koordinierte die Abstimmung mit Anliegern und Behörden und warb um private Spenden für die künstlerische, kulturelle und städtebauliche Neugestaltung des Jungfernstiegs. Die Stadt Hamburg kam bei diesem einmaligen PPP-Projekt für die straßen- und häuserseitigen Maßnahmen auf. Dafür wurde der Jungfernstieg mit dem BDA Architekturpreis ausgezeichnet.

Jungfernstieg TreppenEine großzügige Treppenanlage ähnlich einer großen Freilichtbühne, welche die gesamte Breite des Jungfernstiegs einnimmt und bis an das Wasser führt, bestimmt das neue Bild des Alsteranlegers. Vor der Treppe ist ein Boulevard mit einer dreiachsigen „auf Lücke“ gesetzten Silberlindenallee entstanden. Der Straßenraum ist frei gestellt und mit einem vergrößerten Fußgängerbereich vor den Häuserfassaden konzipiert worden. Eine weitere Maßnahme ist unter anderem ein ausgefeiltes Lichtkonzept, das den Schwerpunkt auf eine sanfte und zurückhaltende Bestrahlung legt. Wo sich vor kurzem kaum Menschen aufgehalten haben, verweilen jetzt wieder viele Besucher und genießen das wunderschöne Alsterpanorama. Die städtebauliche Verbindung zwischen Stadt und Wasser ist wiederhergestellt und der Jungfernstieg kann dank der tribünenartigen Form des neuen Anlegers mit seinen verschiebbaren Sitzbänken für kulturelle Events jeder Art zur Bühne werden.

V.l.n.r.: Alexander Otto, Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter, Wirtschaftssenator Frank Horch, Vorstandsvorsitzender HHA Günter Elste

V.l.n.r.: Alexander Otto, Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter, Wirtschaftssenator Frank Horch, Vorstandsvorsitzender HHA Günter Elste

Mit Eröffnung des neu gestalteten Jungfernstiegs im Mai 2006 war die vorrangige Aufgabe des Vereins „Lebendiger Jungfernstieg e.V.“ abgeschlossen. Danach führte Friederike Beyer den Verein als Vorsitzende erfolgreich durch schwieriges Fahrwasser, denn während der Bauarbeiten für die U-Bahnlinie 4 in die HafenCity waren weder Kunst noch Kultur auf dem wasserseitigen Jungfernstieg möglich. Darin bestand nun der eigentliche Vereinszweck. Bauzäune präsentierten in dieser Zeit informative Ausstellungen, und ein provisorischer Bootssteg für die Alsterschiffe in der Binnenalster eröffnete eine völlig neue Perspektive auf die Stadt. Doch bei allem Improvisationsgeschick der Hamburger Hochbahn war die Freude groß, als dieser einzigartige Ort nach vierjähriger Bauzeit im Frühjahr 2012 wieder uneingeschränkt für die Öffentlichkeit nutzbar wurde – noch dazu mit Gleisanschluss in die HafenCity. Mit der Wiedereröffnung übernahm der Verein in veränderter Besetzung die ihm zugedachte Rolle: dreimal jährlich künstlerisch-kulturelle Angebote im öffentlichen Raum für jeden sicht- und hörbar ohne Eintritt zu präsentieren.