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Der Jungfernstieg wird wieder zur Flaniermeile

27. Januar 2003

Prof. Dr. h.c. Werner Otto spendet fünf Millionen Euro – Umbau des Jungfernstiegs kann beginnen

Der Jungfernstieg, Hamburgs ehemaliger Vorzeigeboulevard an der Alster, wird wieder zur Flaniermeile. Am heutigen Montag erhielt Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust eine Spenden-Zusage über fünf Millionen Euro vom Hamburger Versandhaus-Pionier und Mäzen Professor Dr. h.c. Werner Otto.

 

Erster Bürgermeister v. Beust und Bausenator Mettbach

Erster Bürgermeister v. Beust und Bausenator Mettbach

„Ich danke Herrn Professor Otto, dass er erneut seine Verbundenheit mit unserer Stadt so eindrucksvoll unter Beweis stellt. Er ist mit seinem Bürgersinn ein Musterbeispiel für den engagierten Hanseaten. Dass sein Engagement ausgerechnet der Neugestaltung des Jungfernstiegs gilt, belegt in besonderer Weise sein großes Interesse an Hamburg und einer seiner bald wieder schönsten Seiten“, erklärte von Beust im Beisein von Hamburgs Bausenator Mario Mettbach.

Mit seiner Spende leistet Otto einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Hamburgs ehemals wichtigste Flaniermeile wieder zu einer Visitenkarte im Herzen der Innenstadt wird.

 

„Ich habe viele Städte in der Welt kennen gelernt. Kaum eine andere Stadt hat in der derzeitigen Situation eine so einmalige Chance und auch die Kraft, eine völlig neue Qualität in die Stadtmitte zu bringen. Nachdem ich den Schritt gegangen bin, den städtebaulichen Wettbewerb zu finanzieren, will ich jetzt ein Zeichen dafür setzen, dass sich Visionen auch verwirklichen lassen“, schrieb Professor Otto an den Ersten Bürgermeister.

 

Bereits im vergangenen Jahr hatte Otto, der sich in der Hansestadt regelmäßig engagiert (Werner-Otto-Institut in den Alsterdorfer Anstalten, Preis der Werner-Otto-Stiftung), 200.000 Euro für den Jungfernstieg gespendet. Mit diesem Geld hatte er den internationalen Architekturwettbewerb ermöglicht, der vor allem der heute unansehnlichen Wasserseite der einstigen Prachtstraße zu neuem Flair verhelfen soll.

Für die Realisierung der „Schönheitsoperation“, die Hamburgs Innenstadt für Hamburger und Touristen noch attraktiver machen wird, veranschlagt die Baubehörde Kosten von 14 bis 16 Millionen Euro. Lediglich für den Umbau der Verkehrsflächen sind im Finanzierungsplan des Senats dabei vier Millionen Euro vorgesehen – zehn bis zwölf Millionen Euro müssen darüber hinaus privat finanziert werden. Durch die Spende von Otto stehen jetzt bereits insgesamt neun Millionen Euro zur Verfügung.

 

Bausenator Mario Mettbach: „Damit können wir jetzt loslegen. Noch in diesem Jahr wollen wir westlich des Alsterpavillons nach den Plänen der Wettbewerbssieger mit dem Umbau beginnen. Dort entsteht dann musterhaft der neue Jungfernstieg, so dass jeder Hamburger schon im Frühjahr 2004 sehen kann, was Hamburg für eine Perle bekommt.“

 

Im nächsten Jahr soll dann mit dem Rückbau der Anlegerkante und mit dem Abriss der Pavillons begonnen werden. Von Beust: „Wir haben ein ehrgeiziges Ziel: Zum Alstervergnügen 2005 wollen wir Hamburgs traditionsreiche und zugleich neue Flaniermeile mit allen Hamburgern einweihen.“

 

Das Konzept für Hamburgs neue Flaniermeile

Im April 2002 lobte die Freie und Hansestadt Hamburg mit Unterstützung der Stiftung „Lebendige Stadt“ den Wettbewerb zur Neugestaltung des Jungfernstiegs aus. Mit dem ersten Preis wurde der Entwurf des Hamburger Teams WES und Partner und André Poitiers ausgezeichnet. Das Konzept verschafft dem Gesamtkunstwerk aus Binnenalster, Kleiner Alster und Rathausmarkt neue Geltung. Der seit dem Jahr 1235 existierende Flanierboulevard erhält wieder klare Strukturen und wird deutlich aufgewertet.

 

Der zwischenzeitlich überarbeitete und auf seine Realisierbarkeit überprüfte Entwurf der Architekten und Landschaftsarchitekten sieht die Neugestaltung des Jungfernstiegs in drei Hauptbereichen vor: Der Straßenraum ist freigestellt und mit einem vergrößerten Fußgängerbereich vor den Fassaden konzipiert. Eine neue Bushaltestelle ermöglicht endlich das Aussteigen zwischen Gänsemarkt und Rathausmarkt. Auf der Wasserseite soll ein Boulevard mit einer dreiachsigen Silberlindenallee entstehen. Eine offene Treppenanlage, die die gesamte Breite des Jungfernstiegs einnimmt, schließt sich an und führt direkt zum Anleger. Weitere Zutaten der Verjüngungskur sind unter anderem: Ein ausgefeiltes Lichtkonzept, das den Schwerpunkt auf sanfte, zurückhaltende Bestrahlung legt, die Neuregelung der Verkehrsführung, eine Verbesserung des Zugangs zu den Colonnaden und der Abriss der bisherigen Pavillons. An ihrer Stelle ist eine transparente Konstruktion aus Glas und durchscheinendem Gestein geplant.

 

Die Nahtstelle zwischen Stadt und Wasser, die in der Vergangenheit städtebaulich abgerissen ist, soll so wieder erweckt werden. Barrieren sollen abgebaut und das Wasser sowie der Blick auf die Lombardsbrücke zurückgewonnen werden. Die Alster kann dank der tribünenartigen Form des neuen Anlegers mit seinen verschiebbaren Sitzbänken künftig für Events jeder Form zur Bühne werden. Zudem soll der Neue Wall mit dem Anleger verknüpft und ein Entree für die künftige Europapassage am Ballindamm geschaffen werden.

 

Der Förderverein – Hamburger engagieren sich für den neuen Jungfernstieg

Auf Initiative der Stiftung „Lebendige Stadt“ und der Freien und Hansestadt Hamburg wurde der Förderverein „Lebendiger Jungfernstieg e.V.“ im Juli 2002 gegründet. Seit dem 1. Dezember 2002 wirbt der Verein unter Vorsitz von Bausenator Mario Mettbach, dem Vorsitzenden der Vereins- und Westbank, Prof. Dr. Stephan Schüller, und dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Lebendige Stadt“, Dr. Andreas Mattner, MdHB, um private Spenden und Sponsorengelder. Zahlreiche namhafte Hamburger Unternehmen unterstützen den Verein. So hat die Firma Wempe bereits mehr als 60 Schmuckstücke mit dem Motiv eines Alsterschwans verkauft, deren Erlös zum Teil dem Verein zu Gute kommt. Am 6. Februar startet immer donnerstags die „Alsterlounge“ zusammen mit Radio Hamburg im Alsterpavillon – jede Eintrittskarte bringt 50 Cent für die Fortsetzung der Umbaumaßnahmen. Und im Herbst erscheint im Verlag „Die Hanse“ das erste Buch über den Jungfernstieg – ein Teil des Erlöses geht auch hier an den Verein. Die Spendenaktion wird bis 2005 fortgesetzt.

 

„Wir danken den Hamburgern für ihr bereits jetzt gezeigtes Engagement und hoffen, bis zum Jahr 2005 noch viele Förderer für den Jungfernstieg zu gewinnen“, sagte Senator Mario Mettbach. Bereits Ende Februar werden der Erste Bürgermeister, der Bau- und Verkehrssenator und die Kultursenatorin das Projekt weiteren potentiellen Spendern bei einer Alsterdampferfahrt vorstellen.

 

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